Das wahre Gold der Inka“. Die Geschichte der Kartoffel hat ihren Ursprung in den Anden, im heutigen Peru und Bolivien. Dort wurden die Knollen der Urkartoffel bereits 10.000 Jahre vor Christus von den dort lebenden Menschen gegessen. Mit der heutigen uns bekannten Erdapfel hatte diese Wildpflanze nicht viel gemein, denn die bloß haselnussgroßen Knollen schmeckten wegen des hohen Gehalts an Solanin eher kratzig. In 3000 bis 4000 Metern über dem Meeresspiegel, wo der Mais nicht mehr gedeihte, wuchs die Kartoffel bestens. Die Inkas kultivierten die Pflanze und züchteten bis an die hundert Sorten. Sie verherrlichten die Kartoffelgöttin „Aromama“ und die Kartoffel selbst als Fruchtbarkeitssymbol. Die Inkas schufen Zeiteinheiten, die sie von der Kartoffel abhängig machten. Eine solche Maßeinheit war die Kochzeit einer Kartoffel.

Die Spanier brachten diesen wertvollen Bodenschatz von ihren Eroberungszügen in der „neuen Welt“, wo sie die mehlige Wurzel von gutem Geschmack kennenlernten, nach Europa. In der Mitte des 16. Jahrhunderts nahm die Knolle Einkehr am spanischen Hof. Bei der Erdapfelknolle handelt es sich um ein Nachtschattengewächs, wo bekannt ist, dass die obere Frucht giftig ist. Zu Beginn wurde von den Menschen sehr oft die obere Frucht verzerrt, das zu Bauchschmerzen und Vergiftungserscheinungen führte. Daher war sie lange Zeit verpönt. Erst als die Herrscher von Europa den Wert der Knolle im Kampf gegen Hungersnöte begriffen, versuchten sie durch Tricks und List die Erdapfel der Bevölkerung schmackhaft zu machen.
In Österreich tauchte der Erdapfel erstmals im Jahre 1620 in Seitenstetten auf. Der Abt des Stiftes bekam von einem belgischen Gärtner Erdapfelknollen und baute diese im Klostergarten an. Er schrieb viele praktische Tipps und Rezepte auf, wie z.B. ein Rezept für Erdapfelsalat. Unter Kaiserin Maria Theresia wurde der Anbau sehr gefördert. Sie befahl den Bauern speziell im Waldviertel, in Phyrabruck, einem kleinen Ort in der Gemeinde Unserfrau-Altweitra Erdäpfel anzubauen. Im Wappen von der Gemeinde Unserfrau-Altweitra befindet sich heute noch die weiße Kartoffelblüte. So richtig an Popularität gewann die tolle Knolle erst zurzeit der Napoleonischen Kriege an der Wende vom 18. Zum 19 Jahrhundert.
Im Waldviertel ist der Boden karg, die lockere Erde rinnt wie Sand durch die Finger, perfekte Bedingungen für Erdäpfel. Waldviertler Erdäpfel sind eine Delikatesse. Kaum sonst wo findet die südamerikanische Knolle so ideale Bedingungen. Das „Waldviertler Scheckerl“ ist eine regionale Delikatesse, die früher auf jedem Hof zu finden war, jedoch heute nur mehr von Raritätengärtnern angebaut wird. „Waldviertler Scheckerl“ eine delikate festkochende Sorte, erlebt Dank Arche Noah und Slow Food wieder ein Aufleben Nähe Weitra wurde die „Eapfiregion Lainsitztal“ gegründet, wo wieder alte Sorten angebaut werden. Die Erdäpfelbauern sind hier Direktvermarkter. Im Waldviertel gab und gibt es viele Rezepte rund um den Eapfi, wie die Waldviertler den Erdapfel nennen.
Goethe sagte einst schon „Morgens rund, mittags gestampft, abends in Scheiben, dabei soll´s bleiben.“
Ich kann mich Goethe nur anschließen, ich bin auch ein totaler Erdapfelliebhaber und ich könnte sie auch täglich essen, ohne mich daran satt zu essen.

vgl. https://www.bio-kartoffel.at/de/pages/ueber-kartoffel-geschichte-7.aspx
vgl. https://www.bmlrt.gv.at/land/lebensmittel/trad-lebensmittel/feldfruechte/waldviertl_erdaepfel.htm

© Alfred Schwendinger