Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, dass wir in meiner Kindheit vor unserem Haus einen Kriecherlbaum hatten. Wir Kinder freuten uns immer riesig, wenn diese kleine aromatische Frucht reif war. Wir haben sie immer direkt vom Baum genascht. Doch irgendwann musste der Baum weichen und wurde umgeschnitten, damit ist für mich diese köstliche Frucht auch in Vergessenheit geraten. Bis vor ein paar Jahren bei mir ins Haus eine Postwurfsendung flatterte mit der Ankündigung des „Kriecherl Kirtags“ in Schönbach bei Bad Traunstein, das liegt im Bezirk Zwettl, etwa 14 km von Ottenschlag entfernt. Ich fand das sehr interessant und recherchierte daher im Internet zu diesem Thema. Ich fand heraus, dass sich einige Bauern im südlichen Waldviertel (Raum Kottes, Ottenschlag bis hinunter zur Donau) zum Kriecherltal zusammengeschlossen haben und die Marke „Waldviertler Kriecherl“ gegründet haben. Sie haben sich zur Aufgabe gemacht, die schon in Vergessenheit geratenen Frucht wieder zu kultivieren und zu köstlichen Produkten zu verarbeiten. Die Produktpalette ist breit gefächert, von Likör, Edelbrand, Nektar, Senf, Essig, Sirup, Chutney, Fruchtaufstrich, Schokolade, bis hin zu Schaumwein und Dessertwein.

Das Kriecherl gehört zu den ältesten Kulturpflanzen in Mitteleuropa. Wie bei vielen anderen Obstsorten gibt es beim Kriecherl ebenso verschieden Sorten und Farben. Im Waldviertel wird das grüngelbe Kriecherl forciert. Kriecherl, wie es lieblich genannt wird, heißt eigentlich Kriechen Pflaume und stammt aus der Familie der Pflaumen.

Im Waldviertel hat der Kriecherlbaum eine lange Tradition, doch durch die schwere Verarbeitung und kaum Lagerfähigkeit, haben auch hier dazu geführt, dass die Frucht an Aufmerksamkeit und an Bedeutung eingebüßt hat. Die Verarbeitung des Kriecherl erweist sich als eher schwierig, weil sich das Fruchtfleisch nicht so leicht vom Stein löst, daher ist es zeitaufwendiger als n´bei einer Marille oder Zwetschke. Die Bäume sind in den letzten Jahrzehnten kaum mehr beachtet und gepflegt worden, darum sind sie immer mehr von der Bildfläche verschwunden. Doch Gott sei Dank gibt es noch einige davon und die Vereinigung „Waldviertler Kriecherl“ hat es sich zur Aufgabe gemacht die alte Obstsorte wieder zu beleben.

Wer Lust auf ein Kriecherl Produkt bekommen hat, ist in meinem Geschäft genau richtig, denn hier bekommt jeder die ganze Produktpalette präsentiert und es zahlt sich aus, einmal etwas davon zu probieren, es ist eine wahre Gaumenfreude. Ich persönlich liebe den Nektar und die Fruchtsauce, die herrlich über Eis schmeckt. Es ist wirklich eine Sünde wert.

Vgl. www.kriecherl.at

© Familie Weidenauer